Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

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Thom1s
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Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Thom1s » 04 Jan 2018, 19:25

Hallo Fischertechnikfreunde,

ich habe zusammen mit meinem 8jährigen Sohn die Turmuhr aus dem Buch "Technikgeschichte mit fischertechnik" nach folgender Bauanleitung nachgebaut:
https://technikgeschichte-mit-fischerte ... 4-die-uhr/

Soweit funktioniert alles sehr gut (Kompliment auch an den Konstrukteur, diese Uhr ist wirklich eine Meisterleistung), jedoch bleibt die Uhr nach maximal 1 Minute Laufzeit immer wieder stehen.



Ich habe alles mehrmals überprüft:
Die Spindelhemmung ist leichtgängig, die Zahnräder laufen beim Probedrehlauf alle lange nach, die Stifte wurden in das Innenzahnrad Z30 gleichmäßig hineingedrückt usw.


Liegt's vielleicht am Gewicht des Batteriegehäuses?
Welche Gewichte müssen eingelegt werden?

Für hilfreiche Antworten und Tipps bedanke ich mich schonmal im Voraus recht herzlich.

Gruß

Thom1s

geometer
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von geometer » 06 Jan 2018, 20:00

Hallo Thom1s,

wenn die Uhr stets nach einer Minute stehen bleibt, ist das Gewicht entweder ein klein wenig zu klein, es tritt irgendwo gelegentlich Reibung auf oder es klemmt gelegentlich in der Hemmung.

Folgende Schritte würde ich ausführen:

1. Das Zeitanzeige-Modul abnehmen. Läuft das Gangwerk ohne Zeitanzeige durchgehend? Falls ja, gibt es in oder beim Übergang zur Zeitanzeige irgendwo regelmäßig auftretend zu viel Reibung, was gesondert untersucht werden muss. Falls nein, Zeitanzeige un

2. Mehr Gewicht verwenden. Wenn ich meine Exemplare zuhause in Ruhe justiere, brauche ich 120 g. Auf Ausstellungen packe ich aber den Batteriekasten mit Felgengewichten voll. Das sind dann 175 g. Im Buch habe wir, glaube ich, 150 g angegeben. Wenn keine Felgengewichte vorhanden sind, kann man den Batteriekasten nicht verwenden. Man kann zum Beispiel auch Stahlkugeln in eine Kassette packen. Kassetten und Felgengewichte bei ffm: http://www.fischerfriendsman.de/index.php?p=8&sp=7.

3. Achsen und Lager tauschen. Gerade alte Achsen sind gelegentlich krumm und bei den Lagern haben die Bohrungen Toleranzen.

4. Die Kupplungsstücke sind zwar leichtgängige Lager, aber die Bohrungen sind nicht kreisförmig, In den Aussparungen für die Riegel kann ein Klemmring auf der Achse zum Beispiel zweimal pro Umdrehung klemmen.

5. Ein weiteres Exemplar der Hemmung neu aufbauen.

6. Videoaufzeichnung mit Gangwerk, und Hemmung oder notfalls auch gute Fotos machen, irgendwo hochladen, ich schaue dann mal, ob ich etwas sehe.

Viele Grüße

Thomas

Thom1s
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Thom1s » 06 Jan 2018, 21:33

Hallo Thomas,

vielen Dank für die umfangreiche Antwort.

Ich probiere Deine Tipps gerne aus, das wird aber vermutlich ein paar Tage dauern, ich melde mich dann wieder hier im Forum um von meinem Erfolg (hoffentlich) zu berichten.

Dank und Gruß

Thom1s

geometer
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von geometer » 06 Jan 2018, 22:41

Hallo Thom1s,

das Wichtigste habe ich vergessen: Alles, was sich dreht genau beobachten und auch ganz genau hinhören.

Viele Grüße

Thomas

FJB
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 02 Dez 2019, 01:07

Hallo zusammen,

hat jemand bereits eine Lösung für die doch eher kurze Laufzeit der Turmuhr? Bei mir ist nach 2 Stunden Schluss. Das Gewicht liegt dann doof auf dem Boden. Ein Flaschenzug oder eine weitere Z-Kaskade mit entsprechend größerem Gewicht wären ein Ansatz. Ich hatte als Kind eine Kuckucksuhr. Das Gewicht war riesig. Das könnte ein Ansatz sein.

Ich überlege bei ffm einen Rückzugsmotor zu organisieren und das gute Stück "zum Aufziehen" umzubauen.

Grüße Frank

Karl
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Karl » 02 Dez 2019, 20:23

Hallo,
Lösungen habe ich nicht, nur Vermutungen:
Gewicht zu schwer - Hemmung zu schnell
Überspringen der Hemmung
Schlupf Welle-Nabe-Verbindung
Getriebestufe(n) vergessen
Falsche Zahnrad-Kombinationen

In den meisten Fällen nützt der Feder-Rückzugsmotor dann auch nicht.
Die Hemmung gibt den Takt, gleich von woher kommt die Kraft.
Getriebe sollte schon passen und gleichmäßig im Lauf funktionieren.
Grüße von
Karl
Ich.., Bauteile verschwenderisch eingesetzt. Lösung....., einfach weglassen.

geometer
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von geometer » 02 Dez 2019, 22:14

Hallo Frank,

in einer Viertelstunde sinkt das Antriebsgewicht um den Umfang der Drehscheibe, also um etwas mehr als 18 cm. Pro Stunde sind es also ca. 75 cm. Wenn die Uhr in 1,5 m Höhe steht, läuft sie somit 2 Stunden.

Um die Laufzeit zu vergrößern, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zuerst, was NICHT geht: der Rückzugsmotor. Die Spindelhemmung in der Uhr ist eine rückführende Hemmung. Sie läuft sehr genau, solange die Antriebskraft konstant ist. Das ist bei dem Gewichtsantrieb der Fall, beim Rückzugsmotor allerdings nicht. Dieser stellt, wenn er voll aufgezogen ist, ein sehr hohes Drehmoment zur Verfügung, das dann aber linear abnimmt. Die Uhr würde somit am Anfang messbar schneller laufen als am Ende. Außerdem stellt der Rückzugsmotor nur Energie für ca. eine Stunde Laufzeit bereit.

Sehr gut eignen sich Flaschenzüge. Ich selbst habe auf den meisten Ausstellungen nur einen einfachen Flaschenzug verwendet, so dass ich die Uhr alle zwei Stunden aufziehen musste, wenn sie auf einem 80 cm hohen Tisch stand. Mit komplexeren Flaschenzügen kann man die Laufzeit quasi beliebig verlängern. Das einzige Problem ist, dass man irgendwann das Seil nicht mehr auf die Drehscheibe gewickelt bekommt.

Warum überhaupt die Drehscheibe 60 als Seiltrommel? Auf der Drehscheibe liegt das Seil in nur wenigen Windungen. Dadurch ist der Radius und damit das Antriebsdrehmoment sehr konstant und die Uhr läuft sehr genau.

Es gibt leider nicht viele geeignete Trommeln im fischertechnik-Sortiment. Die ideale Trommel für unseren Zweck hätte einen Durchmesser von ca. 30 mm und wäre recht breit, so dass viele Windungen nebeneinander passen würden.

Weitere Getriebestufen hätten nicht mehr auf eine 500er-Grundplatte gepasst, sind aber natürlich auch eine gute Möglichkeit, die Laufzeit zu verlängern. Allerdings wirken schon ordentliche Kräfte, wenn man mit einer Masse von 1 kg die Uhr betreiben will. Ich würde da in jedem Fall die Flaschenzüge (evtl sogar aus nicht fischertechnik-Komponenten) favorisieren, um das Material nicht übermäßig zu beanspruchen.

Die einfachste sund stilechte Lösung ist - wie im Buch beschrieben - der Betrieb im Treppenhaus. Es handelt sich ja um eine Turmuhr. Wenn das nicht geht, eine Umlenkrolle an der Zimmerdecke, schon hat man mehr als 2 m Höhe zur Verfügung. Dann läuft die Uhr mit einem einfachen Flaschenzug schon einmal 6 Stunden, mit einem vierfachen Flaschenzug 24 Stunden.

Man kann natürlich auch einen Huygens-Aufzug einbauen und die Uhr elektrisch jede Stunde wieder aufziehen. Ich selbst hatte die Uhr mit einem Huygensschen Aufzug mit Seilen in Betrieb. Allerdings hatte ich dazu die Slick Weichgummireifen, die eigentlich auf die Räder 23 gehören auf normale Flügelnaben gezogen - mit dem Ergebnis, dass die Weichgummireifen leider nach eingen Wochen gerissen sind. Matthias Dettmer hat eine Variante mit Kette gebaut, die ich in Karlsruhe einmal gesehen habe und die sehr kurz in der ft:pedia 3/2018 beschrieben ist. Im Bilderpool müssten noch Fotos zu finden sein. Ketten produzieren aber sehr unregelmäßige Reibung und senken somit die Genauigkeit der Uhr.

Zusammenfassende Empfehlungen: Treppenhaus oder Flaschenzüge.

Viele Grüße

Thomas

Karl
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Karl » 02 Dez 2019, 22:58

Hallo,
wäre auch eine Möglichkeit;
https://www.youtube.com/watch?v=4JV1IXvoULs
;)
Grüße von
Karl
Ich.., Bauteile verschwenderisch eingesetzt. Lösung....., einfach weglassen.

FJB
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 16 Dez 2019, 08:22

Hallo Karl,
hallo Thomas,

vielen Dank für die umfangreichen und vor allem hilfreichen Antworten.

Den Ansatz mit Rückzugsmotor vergesse ich mal. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass eine variable Kraftausübung auf die Antriebswelle durch den eigentlichen Oszillator in gewissen Grenzen "begradigt" wird. Ich betreibe die Uhr mit einem Gewicht von ca. 145g weil der Handgriff meines Innengewindeschneiders optisch was hermacht. Meine Experimente haben gezeigt, dass die Uhr ab 125g zuverlässig läuft. Eine signifikante Veränderung der Genauigkeit habe ich beim Wechsel des Gewichtes nicht beobachtet. Übe ich jedoch mehr Kraft aus (Ziehen am Seil) kann ich eine leichte Geschwindigkeitszunahme feststellen (bilde ich mir jedenfalls ein).

Da ich für mich bereits mit dem "originalen" Antrieb nachgewiesen habe dass die Uhr eine hohe Genauigkeit erreicht (wenige Sekunden innerhalb einer Stunde), kommt es nicht mehr so sehr auf die Genauigkeit sondern vielmehr auf eine längere Laufzeit an. Es klingt vielleicht etwas verrückt: die Uhr läuft bei mir im Büro. Mich beruhigt das gleichmäßige Ticken während der Arbeit. Die Konzentration steigt. Nur ist nach aktuell etwas über 2 Stunden Schluss (1,8m).

Ich greife über Weihnachten den Vorschlag von Euch auf und baue den Huygensschen Endlosaufzug. Das Konzept gefällt mir und das ganze macht auch optisch was her.
Mir geistert schon eine Idee Kopf herum:
Antrieb nicht über ein Seil sondern mittels Kette.
Den Verlust an Genauigkeit kann ich ja verschmerzen. Die Sache mit der Kette überlege ich, da die Kuckucksuhr aus Kindheitstagen auch mit Kette lief. Sie hatte einen Freilauf und konnte während des Betriebs aufgezogen werden. Das wäre ohne Herrn Huygens mein zwischenzeitlicher Favorit gewesen. Und, es gibt bereits einen Ansatz aus Karlsruhe der vielleicht aus der einen oder anderen Sackgasse helfen kann...
Motorsteuerung mit diskreten Elektronikkomponenten.
Um den historischen Abstand zwischen mechanischer Uhr und elektronischer Steuerung um 50 Jahre zu verringern realisiere ich aus den diskreten Komponenten des aktuellen electronics Kasten ein Monoflop das den Motor für die nötige Zeit einschaltet. Die Synchronisierung ergibt sich jedes Mal wenn das Antriebsgewicht den Tiefpunkt erreicht hat (oder das Spanngewicht den Höchstpunkt). Alternativ kann eine bistabile Kippstufe über zwei Sensoren eines der Gewichte zwischen den Maximalpositionen pendeln lassen. Das entscheide ich, wenn die Mechanik steht und ich weiß, wie und wo sich die Sensoren platzieren lassen.

Ich werde berichten …

Viele Grüße aus Recklinghausen
Frank

Lars
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Lars » 16 Dez 2019, 22:20

Hallo Frank,
FJB hat geschrieben:
16 Dez 2019, 08:22
Ich greife über Weihnachten den Vorschlag von Euch auf und baue den Huygensschen Endlosaufzug. Das Konzept gefällt mir und das ganze macht auch optisch was her.
Mir geistert schon eine Idee Kopf herum:
Antrieb nicht über ein Seil sondern mittels Kette.
[...]
Motorsteuerung mit diskreten Elektronikkomponenten.
Um den historischen Abstand zwischen mechanischer Uhr und elektronischer Steuerung um 50 Jahre zu verringern realisiere ich aus den diskreten Komponenten des aktuellen electronics Kasten ein Monoflop das den Motor für die nötige Zeit einschaltet.
Das würde ich eher elektromechanisch lösen und den Motor mit einem ft-Relais sowie einem "oberen" und einem "unteren" Taster steuern. Dann läuft er auch immer genau so lange wie erforderlich.

Vermutlich reicht sogar der alte Polwendeschalter (ft-Art. 31331 oder ft-Art. 31334 in schwarz) für diese Aufgabe. Der Kipphebel hat ein kleines Loch, durch das man einen Faden führen kann. Knoten nehmen den Kipphebel mit, wenn sich der Faden bewegt.

Mit freundlichen Grüßen
Lars

geometer
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von geometer » 17 Dez 2019, 10:44

Hallo Frank,

klasse, dass Deine Uhr gut, genau und mit geringem Gewicht läuft!

Für den Huygensschen Aufzug mit Ketten empfehle ich Dir möglichst große Zahnräder (also Z30 und Z40) zu verwenden, da dann die Reibung deutlich sinkt.

Remadus hat in seiner Pendeluhr https://youtu.be/VJ2OkslQSzU auch einen Huygensschen Aufzug verwendet, allerdings mit ft-fremden Zahnriemen.

Wenn Dich meine Lösung zum automatischen Aufziehen interessiert, dann schau doch auf der fischertechnik-Modellschau am Sonntag, dem 19.1.2020 im Kardinal-von-Galen-Gymasium in Münster-Hiltrup vorbei.

Viele Grüße

Thomas

FJB
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 28 Dez 2019, 11:01

Hallo zusammen,

der Weihnachtsstress ist vorbei. Zwischendurch blieb ein wenig Zeit an der Uhr zu tüfteln.

Danke erst einmal für Eure Vorschläge.

Ich bin Euren Links gefolgt und habe den Artikel von Matthias Dettmer aus der ft:Pedia 4-2018 studiert. Ich beschloss, soviel wie möglich zu vergessen und eine eigene Lösung zu finden. Das Ergebnis: die Uhr läuft immer noch. Nur muss ich nichts mehr unternehmen um sie aufzuziehen.

Die Uhr thront jetzt (ohne Schlagwerk) auf einem ca. ein Meter hohem Turm aus Static. Die Grundplatte enthält die Steuerung und den Sensor für das unten ankommende Antriebsgewicht (Minitaster, Bauplatte 30x90, Gelenkwürfel). Die Lösung von Lars habe ich verworfen da ich unbedingt mit nur einem Sensor und einer Zeitkonstante arbeiten wollte. Ein Sensor reicht zum Synchronisieren vollkommen aus. Angenehmer Nebeneffekt: das Zeitglied ist variabel. Stelle ich z.B. eine Sekunde ein habe ich den Show-Modus. Es passiert einfach öfter etwas.

Die größte Herausforderung waren die Kettenräder für die Gewichte. Z20 haben sehr gut funktioniert, die Optik in Zusammenspiel mit dem Antriebsrad Z40 und dem Motorritzel Z10 war sehr bescheiden. Die Seiltrommel des Modells aus ft:Pedia 4-2018 konnte ich mir nicht so recht vorstellen. Eine wirklich gute Lösung sind zwei 21er Seilrollen (mit 30er Achsen, 30er I-Streben, Riegelscheiben und 15er mit Bohrung). Bei zwei Rollen nebeneinander ergibt sich eine Spurweite die exakt der Spurweite der Kette entspricht. Die Kette läuft sehr leicht über die Rollen und das ganze Gebilde macht einen harmonischen Eindruck.

Also Batteriekasten ran und ausprobieren - läuft.

An das Antriebsgewicht habe ich mich rangetastet. Momentan bin ich bei knapp 350g (eine Kassette mit Messingbolzen, nicht schön aber selten) für einen zuverlässigen Betrieb gelandet. Das Spanngewicht besteht nur aus der Seilrollenkonstruktion und einem zusätzlichen 30er Stein.

Die Steuerung wollte ich ja mit diskreten Bauteilen aus dem electronics Kasten Realisieren. Erst einmal Taster und Motor an mein diesjähriges Weihnachtsgeschenk TXT. Ich komme aus der Ecke C/C++/C#/SQL hab mich sofort mit RoboPro angefreundet. Ich bin immer davon ausgegangen, auf Dauer geht auf dem TXT nur C/C++. Ich bin echt von der Leistungsfähigkeit beeindruckt. Sogar mehrere Prozesse inkl. Synchronisation sind kein Problem. Jedenfalls lief die Uhr das erste mal mit automatischem Aufziehen.

Nach Studium des Datenblatts des ft Transistors BC547 war klar, der würde beim Ziehen der aktuell 175g (350g/2) verheizt. Ich habe die Stromaufnahme nicht gemessen, vermute aber deutlich mehr als die 100mA Collectorstrom die für den BC547 zulässig wären. Gut, BC160s gammeln bei mir seit jahren in einer Kiste rum (1A). Die würden sich in den Transistorplatinen gut machen. Der electronics Kasten enthält aber noch das electronics Modul. Also alles eingebaut und verdrahtet, Monoflop mit 2 Sekunden konfiguriert (ft Dokumentation Zusatzprogramme, 2 Sekunden damit's öfter läuft) und los...

Jetzt hängt die Uhr seit gestern Nacht ohne Zwischenfälle am Powerset (Akkuset und Batterien wurden recht schnell leergezogen). Sehr schön kann beobachtet werden, wie das Pendel mit einer mittleren Amplitude gestartet, nach kurzer Zeit durch die Energiezufuhr eine etwas höhere, stabile Amplitude erreicht. Blöd ist nur, dass sie aktuell ca. 1,5 Minuten pro Stunde zu schnell läuft. Vermutlich habe ich beim Gewicht doch etwas übertrieben. Ich hatte nach dem Umbau eine leichte Verschiebung des Z10 der Hemmspindel Richtung Z40. Das hat mir sicher ein höheres notwendiges Antriebsgewicht vorgetäuscht. Das wird die nächste Aufgabe ...

Was ich am Artikel von Matthias Dettmer hoch spannend fand ist der Einsatz von Kugellagern. Ein Antriebsgewicht von nur 80g für den Schnurantrieb finde ich klasse. Es gibt zwei Möglichkeiten:
  • Schneckenmutter m1,0 mit 4x9x4 er Kugellager
  • Schneckenmutter m1,5 mit 4x12x4 er Kugellager
Welche Lösung hat hier die Nase vorne?

Grüße aus Recklinghausen
Frank

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von The Rob » 28 Dez 2019, 14:53

Ich weiss gar nicht, ob eine Lösung besser ist als die andere. Fischerfriendsman hat beide Größen auf Lager.
Bei den großen Lagern weiss ich, dass die meisten Achsen von ft da nicht gut reinpassen, das wird aber bei den kleinen ähnlich sein, die Lager sind nämlich für 4mm-Achsen und ft hat meist Übermaß durch die Verschromung.
Die großen Schneckenmuttern werden durch das eingepresste Lager etwas größer, die Aussparung ist da einen Tick zu klein, ich kann nicht sagen, wie es bei den kleinen aussieht. Ich werd mir mal welche von den kleinen bestellen, die habe ich noch nicht...

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 29 Dez 2019, 09:39

Moin zusammen,

was soll ich sagen, ft hat seinen Zweck erfüllt: wieder was dazugelernt!

Durch die doch große Ungenauigkeit der Turmuhr mit "Huygensscher Endloskette" musste ich mich zwangsläufig mit den Pendelgesetzen beschäftigen. Beim physikalischen Pendel bin ich ausgestiegen, da haben meine zwei Jahre Volksschule nicht gereicht.

Das mathematische Pendel (also die absolute Vereinfachung) lieferte mir einen wichtigen Hinweis. Die Schwingungsdauer ist nur von der Pendellänge abhängig (und der Erdbeschleunigung). Massen spielen keine Rolle. Die Masse ist sowieso in einem Punkt am Ende des Pendels vereinigt. Beim physikalischen Pendel kann man das Pendel unter gewissen Bedingungen als ausgedehnten Körper verstehen, dessen Pendellänge der Abstand Aufhängepunkt bis Masseschwerpunkt beträgt. Da ich das Pendel erstmal nicht wirklich anfassen wollte habe ich den Schwerpunkt durch einen zusätzlichen BS 30 am BS 15 für die Stahlachse nach unten verschoben. Und siehe da, die Uhr lief jetzt seit der letzten Kontrolle über 8 Stunden und ich kann keine Zeitabweichung feststellen. Hinter der Turmuhr hängt eine Quarzuhr, ich überlagere die beiden Minutenzeiger mit dem Auge und prüfe ob diese parallel verlaufen.

Ich bin begeistert.

@The Rob:
Das ist ein guter Plan. Irgendwie scheint mir die kleine Variante (m1,0) sympathischer. Die werde ich zuerst testen. Ffm bietet an, passende Achsen rauszusuchen. Die kosten nicht die Welt und einige Wenige für das aktuelle Projekt und vielleicht noch zwei-drei Standardmaße sollten reichen.

@Thomas
Den 19.01. habe ich mir eingetragen. Münster ist ja quasi ein Vorort von Recklinghausen … ;-)

Viele Grüße
Frank

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von The Rob » 29 Dez 2019, 13:28

Falls er keine passenden Originalachsen da hat, er fertigt auch selbst welche aus Silberstahl, die passen immer. Müssen bloß getrennt von den verchromten liegen, wegen Kontaktkorrosion. Die sind auch gut wenn man mal besonders lange Achsen braucht, ich hab 80cm lange und bin sehr zufrieden.

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 11 Jan 2020, 10:24

Hallo zusammen,

erstmal ein frohes neues Jahr 2020.

Ich habe zwischenzeitlich die Hemmung auf die Version der Homepage umgebaut. Vorher habe ich mich streng an das Original aus dem Buch gehalten. Die Hemmung läuft sehr viel reibungsärmer. Ich habe nach dem Umbau auf Kette immer wieder "Stehenbleiber" mal nach 30 Minuten mal nach 5 Stunden gehabt. Nach dem ich das ursprüngliche Gewicht von ca. 340g um ein Batteriefach mit 9V Block erhöht hatte gings besser aber nicht perfekt. Jetzt reichen die 340g locker für Dauerbetrieb aus.

Was ich wichtig finde: beide Lappen (Riegel 4mm) werden jetzt seitlich weggedrückt. Dadurch ergibt sich m.M. eine bessere Nachbildung der "Anschrägung" wie bei richtigen Uhren. Der Rückführeffekt (rückführende Hemmung) ist geringer, das Moment das auf das Pendel übertragen wird ist geringer aber die Strecke (Länge) der Übertragung größer. Die Hebung erfolgt sanfter. Das Pendel hat jetzt eine deutlich größere Amplitude was dem Gleichlauf zugute kommt. Damit läuft die Uhr nun zu langsam was ich momentan durch Verändern des Pendels (Länge bzw. Verlagerung des Schwerpunkts) experimentell ausgleiche.

Der nächste Schritt ist der Einsatz von Kugellagern. ffm hat bereits meinen Warenkorb erhalten. Ich habe mich für die Variante 4x9x4 in Schneckenmutter m1 entschieden.

@The Rob: ft scheint das Material umgestellt zu haben. Die neueren Kästen enthalten keine verchromten Achsen sondern Edelstahlachsen. Die Achsen in Automation Robots schimmern matt. Das Material sieht aus wie die 4mm Silberstahlachsen von Conrad. Von denen hatte ich mal welche (500mm zu 2,98EUR) besorgt um das Hochregallager zu vergrößern. Ich kann kein Anlaufen oder ähnliches feststellen. Ich frage mich nun, hat ffm eine andere Materialart wie Conrad und sind die neuen ft-Achsen nun aus Silberstahl? Wenn ft Silberstahl liefert müssten die Achsen ja getrennt gelagert werden.

Viele Grüße Frank

Karl
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von Karl » 11 Jan 2020, 11:41

Hallo,
ich kaufe immer 10 x 1m Silberstahl rund, 4mm 115CrV3 - 1.2210 in h8, bzw. VA - Werkstoff-Nr. 1.4301, 4mm, rund geschliffen, h9,
je nachdem welcher günstig ist und welche Laune ich habe. Mit evtl. Rost habe ich eh kein Problem.
h6 ist relativ teuer und zu schade zum verplempern.
3/100 mm max. Untermaß für Welle bei h9 und Fischertechnik, damit kann man gut leben . Welle passt auf
Kugellager. Puk-Säge und eine Feile hat wohl jeder, notfalls tuts auch die bestreute Nagelfeile, psst..., nicht die eigene,
die "Van Anderen" sind immer einen Deut besser. ;)
Kugellager-Bohrungen sind immer größer als das Nennmaß und wenn auch nur weniger als 1/100 mm.
Wenn dann die Welle h9 nicht reinpasst, es sind Aufwerfungen durch die Bearbeitung an den Enden,
ein bischen nacharbeiten, gut ist es.
Gezogene Wellen haben meist größere Toleranzen und sind oft größer als das Nennmaß.
Wellen sind oft gebeizt, mag sein daß die Beize irgendwelche chemische Reaktionen mit dem Chrom
hervorruft. Ich habe keine Probleme solcher Art obwohl ich alle nicht gebrauchten Wellenstücke oder Achsen,
gleich ob von Fischertechnik oder nicht in einem Sortimentskasten mit "Chaos-Ordnung" aufbewahre, auch verzinktes Zeugs.
Grüße von
Karl
Ich.., Bauteile verschwenderisch eingesetzt. Lösung....., einfach weglassen.

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 18 Jan 2020, 19:37

Hallo Karl,

ich habe mal bei einem Anbieter von Edelstählen geschaut, was es für Qualitäten gibt. Ich blicke da nicht wirklich durch. Widerstandsfähigkeit gegen die meisten Chemikalien und eine relativ gute Toleranz geschliffener Ware geht preislich bei den Mengen die ich brauche noch in Ordnung. Es scheint besseres Material als Silberstahl zu geben.

Ich werd' mich mal von meinem Sohn beraten lassen. Wofür finanziere ich schließlich sein Maschinenbaustudium. Er hatte mir mal die Unterschiede verschieden legierter Stähle erklärt. Da war das für mich noch kein Thema ...

Grüße
Frank

FJB
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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 18 Jan 2020, 19:37

Hallo Karl,

ich habe mal bei einem Anbieter von Edelstählen geschaut, was es für Qualitäten gibt. Ich blicke da nicht wirklich durch. Widerstandsfähigkeit gegen die meisten Chemikalien und eine relativ gute Toleranz geschliffener Ware geht preislich bei den Mengen die ich brauche noch in Ordnung. Es scheint besseres Material als Silberstahl zu geben.

Ich werd' mich mal von meinem Sohn beraten lassen. Wofür finanziere ich schließlich sein Maschinenbaustudium. Er hatte mir mal die Unterschiede verschieden legierter Stähle erklärt. Da war das für mich noch kein Thema ...

Grüße
Frank

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Re: Hilfe beim Bau der Turmuhr gesucht

Beitrag von FJB » 30 Jan 2020, 20:28

Hallo zusammen,

ich habe zwischenzeitlich Schneckenmuttern 1m, Kugellager und Achsen erhalten und eingebaut. Davon abgesehen dass ich jetzt echte Probleme beim Justieren habe scheint sich keine Verbesserung der Gängigkeit eingestellt zu haben. Ich kann das Antriebsgewicht nicht reduzieren. 8-(

Dafür sehen die beiden ausgelutschten Akkus von ffm als Gewicht ganz schick aus (29ct pro Stück).

Also weitermachen ...

Zu den Achsen:
Scheinbar funktionieren alle Achsen problemlos in den 4x9x4 Lagern. Vielmehr haben die Lager selbst enorme Fertigungstoleranzen. Ich habe ein Lager dabei in das keine Achse passt.

Viele Grüße
Frank

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