ft:pedia 1/2022 ist da!

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MasterOfGizmo
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von MasterOfGizmo » 03 Mai 2022, 15:49

sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 15:09
Nach wie vor bin ich ganz klar der Meinung das eine 3-jährige Ausbildung in dem Bereich wo man studieren will eine Voraussetzung für ein Studium sein müsste.
Jeder kann vor dem Studium eine Ausbildung machen, wenn er möchte und damit sogar eine fehlende Hochschulreife ausgleichen.

Aber es ist schon schade genug, wie sehr Hochschule bereits verschult ist. Das ist so unfassbar langweilig ... Wo soll denn das hinführen, wenn es sich nur noch darum dreht, schnell und effizient möglichst viele Programmierschafe zu züchten?
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sven
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von sven » 03 Mai 2022, 16:29

Hallo!
Jeder kann vor dem Studium eine Ausbildung machen, wenn er möchte und damit sogar eine fehlende Hochschulreife ausgleichen.
Richtig, kann, muss aber nicht. Ich bin für muss.
Sagen wir mal jemand möchte Maschinenbau studieren. Der müsste dann erst mal eine 3-jährige Schlosserausbildung machen.
Warum? Damit er mal ein Stück Metall in der Hand hatte, es bearbeitet hat und weiß wie es läuft in der Fertigung.
Genau dies Leute, die das gemacht haben gehen später an Dinge ganz anders dran, als die Leute die nur die blanke Theorie eingerichtet bekommen haben.

Es kommt immer drauf an, wie ein Lehrer seinen Unterricht gestaltet.
Frontalunterricht heißt für mich nicht das der Lehrer die ganze Stunde über vorne steht, erzählt und an der Tafel was schreibt und die Schüler schreiben es ab.
Die Mischung macht es da. Mit Spaß und am besten spielend die Thematik erklären und dabei auch die Schüler mit einbeziehen. Und dabei muss man direkt auch Fragen stellen können, wenn irgendwas nicht klar ist.
Sozusagen mit denen gemeinsam das Thema erarbeiten. Dazu gehört dann auch das der Lehrer den Schülern eine Aufgabe gibt und diese anschließend auch ausführlich besprochen wird.
Ein guter Lehrer erkennt auch wenn der eine und andere Schüler nicht mitkommt. Dann mach er langsamer, geht drauf ein und wiederholt etc.
All sowas kann ein Vortrag/Vorlesung absolut nicht leisten.
Und das geht nur in Klassen mit sagen wir mal max. 20 Leuten und nicht in einem Saal mit 200 Leuten.

Gruß
sven
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von MasterOfGizmo » 03 Mai 2022, 18:07

sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 16:29
Sagen wir mal jemand möchte Maschinenbau studieren. Der müsste dann erst mal eine 3-jährige Schlosserausbildung machen.
Warum? Damit er mal ein Stück Metall in der Hand hatte, es bearbeitet hat und weiß wie es läuft in der Fertigung.
So sieht die Realität aber nicht aus. Übertrag' das mal auf Dein Fachgebiet. Wir haben hier alles vom gelernten Fachinformatiker bis zum promovierten Informatiker . Wenn Du Recht hättest, dann hätten die Fachinformatiker hier viel mehr praktische Fähigkeiten als die Theoretiker von der Hochschule. Aber tatsächlich sind es hier die Theoretiker, die zusätzlich die breite Praxiserfahrung mitbringen und z.B. mehr Programmiersprachen beherrschen, als sie Finger haben (und das liegt nicht daran, dass sie in ihrer Kindheit mit Kreissägen gespielt haben).

Tatsächlich musst (musstest?) Du in den meisten technischen Studiengängen auch Industriepraktika machen und ein Maschinenbaustudium ganz ohne Werkstatterfahrung gab es zumindest zu meiner Studienzeit nicht. Aber das hat Grenzen. Drei Jahre seines Lebens darauf zu verwenden, handwerkliche Fähigkeiten zu perfektionieren, die man später nie wieder nutzt, das ist u.a. Lebenszeitverschwendung.
sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 16:29
Ein guter Lehrer erkennt auch wenn der eine und andere Schüler nicht mitkommt. Dann mach er langsamer, geht drauf ein und wiederholt etc.
Nein, nicht generell. Wenn jemand dem Unterricht nicht in der nötigen Geschindigkeit und mit der nötigen Selbstständigkeit folgen kann, dann kann es auch gut sein, dass er einfach auf der falschen Schule/Schulsorte ist. Es gibt Kinder, die sitzen täglich bist zu acht Stunden in der Schule und langweilen sich, weil sie jeden Satz sofort und schnell verstehen und der Lehrer jeden Satz langsam x-mal wiederholt bis es alle verstanden haben. Und wenn die dann aus Langeweile nebenbei mit dem Handy daddeln oder Bilder malen, dann werden sie ermahnt, gefälligst aufzupassen, Die quälst Du genauso wie ein Kind, das einfach permanent überfordert ist und kein Wort versteht. Daher nein, es geht nicht darum, dass sich alle immer nach dem Schwächsten richten. Für den sollte es Alternativen geben und für den Stärksten auch. Die sind beide in der nahezu gleichen Situation und es endet auch in beiden Fällen oft gleich mit viel Frust und Schulabbrüchen.
Zuletzt geändert von MasterOfGizmo am 03 Mai 2022, 18:52, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von MasterOfGizmo » 03 Mai 2022, 18:42

sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 15:09
Ein gutes Beispiel ist doch der Beruf der Hebamme. Früher eine Ausbildung, heute muss man das studieren. Was ein Schwachfug.
Mir fällt kaum ein Beruf ein, in dem jemand häufiger über Leben und Tod entscheiden muss, als der der Hebamme. Es generell als "Schwachfug" zu bezeichnen, wenn sich dort die Ausbildungskriterien ändern ist unschön. Wenn der Schreiner-Geselle auf einen schlechten Meister trifft, dann werden die ersten selbstgebauten Schränke halt etwas schief ... aber in der Medizin ist es nunmal so, dass viel mehr von einer guten Ausbildung abhängt und es durchaus einen Sinn ergibt, die Ausbildung in feste Muster zu fügen und Standards festzusetzen. Und für eine standardisierte Lehre brauchst Du ein breites Lehrerspektrum, viel Infrastruktur und ein breites Fächerspektrum. Genau das bietet eine Hochschule. Das bedeutet ja nicht, dass es weniger Praxis gibt. Studierte Mediziner, Juristen oder Lehrer sind aus gutem Grund zu praktischen Lehrjahren nach dem Studium verpflichtet. Aber ohne fundierte medizinische Grundlagen, Psychologie, Rechtskunde usw usw nützt einer Hebamme ggf. die tollste Praxis wenig.
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sven
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von sven » 03 Mai 2022, 22:11

Hallo!

Bei dem Beispiel Fachinformatiker wäre es dann die 3-jähre Ausbildung zum Fachinformatiker und dann das Studium.
Aber das hat Grenzen. Drei Jahre seines Lebens darauf zu verwenden, handwerkliche Fähigkeiten zu perfektionieren, die man später nie wieder nutzt, das ist u.a. Lebenszeitverschwendung.
Das Argument kommt leider oft sehe ich aber anders. Man lernt was fürs Leben in den 3 Jahren und schafft Grundlagen.
Genau sagten viele damals das Wehrdienst oder Zivildienst verlorene Zeit ist. Auch das sehe ich anders.
Auch da lernt man was fürs Leben und so ein Jahr tut nicht weh. Sollte man wieder einführen, denn genau diese Menschen fehlen.
Daher nein, es geht nicht darum, dass sich alle immer nach dem Schwächsten richten. Für den sollte es Alternativen geben und für den Stärksten auch. Die sind beide in der nahezu gleichen Situation und es endet auch in beiden Fällen oft gleich mit viel Frust und Schulabbrüchen.
Also ich fürchte allen wird man es nicht recht machen können.
Sicherlich gibts immer wieder mal Menschen die sich langweilen, aber das wird eher die geringere Teil sein. Wäre natürlich gut, wenn man für beide einen guten Weg finden würde.
Mir fällt kaum ein Beruf ein, in dem jemand häufiger über Leben und Tod entscheiden muss, als der der Hebamme. Es generell als "Schwachfug" zu bezeichnen, wenn sich dort die Ausbildungskriterien ändern ist unschön. Wenn der Schreiner-Geselle auf einen schlechten Meister trifft, dann werden die ersten selbstgebauten Schränke halt etwas schief ... aber in der Medizin ist es nunmal so, dass viel mehr von einer guten Ausbildung abhängt und es durchaus einen Sinn ergibt, die Ausbildung in feste Muster zu fügen und Standards festzusetzen. Und für eine standardisierte Lehre brauchst Du ein breites Lehrerspektrum, viel Infrastruktur und ein breites Fächerspektrum. Genau das bietet eine Hochschule. Das bedeutet ja nicht, dass es weniger Praxis gibt. Studierte Mediziner, Juristen oder Lehrer sind aus gutem Grund zu praktischen Lehrjahren nach dem Studium verpflichtet. Aber ohne fundierte medizinische Grundlagen, Psychologie, Rechtskunde usw usw nützt einer Hebamme ggf. die tollste Praxis wenig.
Bisher hat das ohne Studium sehr gut funktioniert.
Was ist denn die Konsequenz? Es gibt seitdem immer weniger Hebammen.

Wenn das so weiter geht, dann muss irgendwann ein Tischler noch studieren.

Gruß
sven
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von MasterOfGizmo » 04 Mai 2022, 07:09

sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 22:11
Was ist denn die Konsequenz? Es gibt seitdem immer weniger Hebammen.
Tritt die neue Regelung nicht erst Ende 2022 in Kraft?
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von Speerwerfer » 04 Mai 2022, 07:27

sven hat geschrieben:
03 Mai 2022, 22:11
...
Was ist denn die Konsequenz? Es gibt seitdem immer weniger Hebammen.
...
Es hat zwar schon lange nix mehr mit der ftpedia zu tun, aber hierzu noch die Anmerkung: So wie ich es verstanden habe, ist das Thema Haftung und Versicherung bei den Hebammen ein größeres Thema als die Ausbildung selbst.
VG
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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von EstherM » 04 Mai 2022, 12:45

Hallo zusammen,
die Diskussion über Hebammenausbildung finde ich in diesem Forum so völlig absurd, dass es schon wieder lustig ist.
Wenn ich richtig informiert bin, gibt es genau 1 aktives Forenmitglied, das mal bewusst ein Objekt der Tätigkeit von Hebammen war (Geborenwerden und Teilnahme als Vater an einer Geburt oder an einem Geburtsvorbereitungskurs zähle ich jetzt nicht mit). Hebammen gibt es in dieser Community überhaupt keine.
Und mit der ursprünglichen Frage, wie man mehr Menschen in technische Berufe kriegt, sei es mit Ausbildung oder Studium, hat das Thema auch gar nichts zu tun.

Zurück zu den Fragen, für die wir hier kompetent sind:

Ich stimme Dirks Liste prinzipiell zu.
Dirk Fox hat geschrieben:
03 Mai 2022, 00:31
kürzere Vorbereitung auf das Studium (G9->G8), während die Anforderungen an den Hochschulen gleich geblieben sind
Dann müssten in den östlichen Bundesländern, die schon immer G8 hatten, die Abbruchquoten höher sein? Oder sind die Anforderungen in Ilmenau oder Dresden niedriger als in Darmstadt oder Braunschweig?
Außerdem sehe ich noch einen sechsten Punkt:
- Hohe Abbruchquoten scheinen in den Fakultäten und bei den Absolventen als Qualitätsmerkmal zu gelten.
Bjoern hat geschrieben:
02 Mai 2022, 16:40
Aber mit ft wird bei uns hier nichts gemacht. Ist ja nur meine Nebenbeibaustelle.
Du könntest aber eine wunderbaren Girl's Day veranstalten: Besichtigung der Bestückungsmaschine, anschließend Workshop mit Löten oder Bauen mit fischertechnik. Hast Du das mal überlegt?

Gruß
Esther

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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von Bjoern » 04 Mai 2022, 13:02

Hallo Esther,

die Bestückungsmaschine könnte auch die Kollegin demonstreiren. Acuh wie man lötet. Aber ob das so ein typisches Berufsbild zeigt?

Und ob sich das bauen von ft an einem Tag rentiert? Die Frage ist doch was du dann bauen magst. Je komplexer je besser. Aber auch je höher der Aufwand.

Kollege zeigt den Praktis meist ein wenig mit Arduino. Meine das hatte er unserem aktuellen vorhin gerade gezeigt. Wobei wir mit dem Arduino ja recht nahe bei ft sind, zugegebenermaßen. :D

Und zu den off Topic Hebammen. So wie ich es mal gelesen habe, sterben die aus, weil es sich nicht rentiert. Miese Vergütung und immer höhere Kosten (Versicherungen). Da fehlt dann irgendwann die Lust dazu bzw. die Möglichkeit sich das auch leisten zu können.

Björn

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Re: ft:pedia 1/2022 ist da!

Beitrag von ThanksForTheFish » 04 Mai 2022, 19:59

Bjoern hat geschrieben:
04 Mai 2022, 13:02
Und ob sich das bauen von ft an einem Tag rentiert? Die Frage ist doch was du dann bauen magst. Je komplexer je besser.
Moin allerseits,
das lohnt sich in jedem Fall. Jedenfalls hat es das auf dem letzten Zukunftstag 2019 bei der Firma, bei der ich das Event zusammen mit meinen Auszubildenden organisiert hatte.
Solange die Tätigkeiten auf mehrere Schultern aufgeteilt werden, kann man Etliches in den 5 Stunden unterbringen.

Viele Grüße, Ralf
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Ich hoffe hier wird bald ein Termin für die Nordconvention 2022 stehen

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