Eure 3D-Drucker

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Eure 3D-Drucker

Beitragvon Techniker » 18 Mär 2018, 12:05

Hallo !

In letzter Zeit gab es ja vemehrt gedruckte Teile hier im Forum zu sehen.
Da ich aktuell am überlegen bin mir selber einen Drucker anzuschaffen wollte ich hier mal fragen, welche 3D-Drucker ihr besitzt,
welche Erfahrungen ihr beim Teile drucken gemacht habt und was ihr als Einsteigerdrucker empfehlen würdet.

Vielen Dank für alle Erfahrungsberichte im Vorraus.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon The Rob » 18 Mär 2018, 13:30

Moin,

ich nutze mehrere Ultimaker 3, mit denen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Die sind aber auch ziemlich teuer.
Ich hab mir sagen lassen, dass es einen Klon gibt, den man für wenige 100€ kaufen kann, der auch gut funktioniert, allerdings ein Bausatz ist.
Über google finde ich dazu bloß keine Resultate...
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon PHabermehl » 18 Mär 2018, 15:15

Ebenfalls hallo,

es ist wie so oft im Leben, Du bekommst, was Du bezahlst. Dabei ist aber auch immer die Frage, was Du erwartest.

Ich kenne Tills Ultimaker-Ausdrucke und habe auch eine ABS-Batteriebox, die The Rob gedruckt hat. Die Ultimaker-Qualität ist quasi ultimativ, ohne Frage. Der Preis der Geräte aber auch, für mich sind das (semi-)professionelle Werkzeuge und keine Hobbygeräte.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis des ft-Druckers hat mich nicht überzeugt. Das Gerät ist insbesondere dann okay, wenn es um fischertechik, Basteln und Verstehen geht. Als Arbeitstier würde ich den Drucker nicht empfehlen.
Die "ganz billigen" China-Bausätze wollte ich mir nicht antun, da ich nicht erst stunden- oder tagelang basteln und optimieren wollte, um brauchbare Ergebnisse zu bekommen.

Ich habe mich nach einiger Recherche für ein China-Gerät entschieden. Der Anycubic I3 Mega ist vormontiert und innerhalb von 10 Minuten betriebsbereit, Cura als Slicer hat ab v3.2 ein passendes Profil dabei, der Drucker kostet ca. 260€, wenn man ihn über AliExpress mit Versand aus D bestellt. Bei Amazon ca. 400€.

Die Druckqualität erreicht natürlich nicht Ultimaker-Niveau. Aber z.B. beim Druck der Batteriebox konnte ich die stl-Daten unverändert in den Slicer geben und der Ausdruck war absolut maßhaltig. Außerdem ist das Gerät definitv standalone-tauglich und kann unbeaufsichtigt arbeiten, das war mir sehr wichtig.

Meine Entscheidung beruhte auf einem gewissen Maß an Internet-Recherche, wobei dem Drucker gehobenes China-Niveau bescheinigt wird. Bekannte Probleme wie Kabelbrüche und qualitativ minderwertige Lüfter habe ich wissentlich in Kauf genommen, weil das Reparaturen sind, die ich zu gegebener Zeit schnell und kostengünstig selbst bewerkstelligen kann. Dafür bin ich der Meinung, dass Druckqualität und Ausstattung (incl. gutem Heizbett) den Drucker durchaus als Einsteiger-Empfehlung qualifizieren.

Bei der Entscheidung ist natürlich auch immer zu beachten, dass es einer gewissen Einarbeitung in die Theorie bedarf. Außerdem ist Interesse am CAD-Design sicher sinnvoll, denn das reine Nachdrucken von irgendwelchen Konstruktionen ist nur der halbe Spaß - erst wenn das erste selbstdesignte Teil voll funktionsfähig aus dem Drucker kommen, fängt die richtige Sache an!

Gruß
Peter
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon ThanksForTheFish » 20 Mär 2018, 00:05

Hallo allerseits,

seit ein paar Tagen hat ein Arbeitskollege diesen 3D-Drucker: Creality Ender-2
und ist damit mehr als zufrieden.
Der Drucker kostet mancherorts weniger als 150€ und die Druckqualität der Teile, die ich so gesehen habe, ist echt hervorragend.

Viele Grüße, Euer Ralf
Nordconvention am Samstag, den 27. April 2019
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon MasterOfGizmo » 25 Mär 2018, 12:18

Ggf. lohnt es, zu erklären, was die Unterschiede ausmacht.

Ja, auch mit den billigsten Druckern bekommt man eine Menge Sachen hin, die "ausreichend" sind. Von der Präzision spielt der ft-Drucker in dieser alleruntersten Preisklasse. Aber wenn es um größere Dinge geht und man >5cm Kantenlänge auf der Grundfläche hat, dann fangen z.B. die ersten Unterschiede an.

Erst ab einem bestimmten Preis bekommt man z.B. eine beheizte Druckfläche. Ohne Heizung zieht sich das gedruckte Plastik beim Abkühlen etwas zusammen. Dadurch wölbt sich die Unterseite etwas und dann löst sich das Objekt während des Druckens langsam von der Druckfläche und bekommt zumindest mal "angehobene Ecken". Der ft-Drucker druckt auf eine elastische Plexiglasscheibe, die sich der Wölbung anpasst. Es löst sich also nicht unbedingt. Etwas krumm wird es aber dennoch. Auf dem ft-Drucker gedruckte TX-Pis oder ftDuinos sind unten nicht eben, sondern die Ecken stehen bis zu 1mm in der Luft. Sie lassen sich dennoch gut in ft-Modellen verbauen. Das ist eher ein kosmetiches Problem.

Eine beheizute Druckplatte ist ein Muss, wenn man Kunststoffe wie ABS verdrucken will. Aber das ist im ft-Umfeld kaum nötig, es sei denn man druckt Akkugehäuse, die sich beim Laden auf 60°C erwärmen.

Größtes Manko bei den ganz billigen (<200 Euro) Druckern ist mangelnde Qualität der verbauten Komponenten. Da kann schonmal ein etwas zu drünnes Anschlusskabel etwas heiss werden oder ähnlich. Auch die Mechanik hat ggf. hier und da Schwachstellen und es kann sich was lösen oder brechen. Der Zusammenbau ist in der Regel recht aufwändig. Diese Drucker sollte man also nur laufen lassen, wenn man in der Nähe ist, was bei den meist mehrstündigen Druckjobs ein echter Faktor ist. Gleiches gilt für den ft-Drucker, der halt selbst aus Plastik ist und prinzipbedingt nicht unendlich robust ist. Ich habe ihn ein paarmal eine Stunde allein gelassen und hatte immer ein ungutes Gefühl.

Man kann die billigen Drucker sorgfältig aufbauen und zu schwache Komponenten ersetzen und bekommt so ein halbwegs zuverlässiges Gerät. Dann ist man aber in der Preisklasse >€300, in der man das auch schon fertigt bekommt. Dann ist man bei Peters Anycubic i3 mega. Der ist schnell aufgebaut und hat nur recht wenige bekannte Schwachstellen. Das stellt die Untergrenze dessen dar, was ich unter "anfängertauglich" einstufen würde. Alles billigere erfordert Know-How und Geduld und die Bereitschaft, Verbesserungen vorzunehmen.

Nach oben sind dann kaum Grenzen. Ich selbst habe neben dem ft-Drucker einen Ultimaker 2+. Sowas lohnt sich nur, wenn man viel druckt und für die letzten 10% Qualität den vierfachen Preis bezahlen will. Im Prinzip sind diese Drucker perfekt für blutige Anfänger, denn es ist wirklich Plug-'n-Play. Morgens schnell auf "Start" geklickt und Mittags das fertige Objekt in ausgezeichneter Qualität aus dem Gerät genommen. Aber hier bezahlt man halt auch für den Namen. Nett ist z.B. auch, dass der ein weitgehend geschlossenes Gehäuse hat, weil sich die Wärme darin dann staut, was auch gegen Verformungen hilft. Und die Glasplatte, auf die man druckt führt zu einer spiegelglatten Oberfläche und auch die eigentliche Druckauflösung liegt etwas höher. Die Ergebnisse sind toll, aber die aus den billigeren Druckern erfüllen unsere Zwecke hier genauso.

Fazit:
Wer erst anfängt und halbwegs zügig zu Druckergebnissen kommen will wrd gute 300-400 Euro ausgeben müssen. Auch mit weniger Geld kann man unter Abstrichen Spass haben, aber da muss man dann schon selbst Hand anlegen und wird mehr Know-How aufbauen müssen. Mit dem Preis steigt dann die Druckqualität und die Zuverlässigkeit, aber das sind im ft-Bereich nur kosmetische Unterschiede. Auf allen Druckern bekommt man Dinge hin, die mit ft-Bausteinen kompatibel sind.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon The Rob » 25 Mär 2018, 12:29

MoG hat das ziemlich treffend zusammengefasst.
Ich hab vergessen zu erwähnen, die UM3 gehören nicht mir, sondern meiner Uni, ich verwalte/nutze die nur.

Drucker alleinlassen ist echt ein gutes Stichwort.
Ich drucke auch gelegentlich mal Sachen, bei denen der Drucker dann vier Tage am Stück läuft. Da muss alles passen, es dürfen keine Fehler auftreten. Sonst ist sämtliches bis zur Störung verbrauchtes Filament futsch und die Druckerstunden sind auch unnütz verbraten.
Gerade letzteres ist in der Uni das Kernproblem. Die Kosten für das Filament gehen in den Anschaffungs- und Ersatzteilkosten für die Drucker unter.
Nutzungszeit und Arbeitsstunden des Bedieners sind die Hauptkosten.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon MasterOfGizmo » 25 Mär 2018, 12:34

Hier mal ein paar Beispiele. ft-Drucker vs. Ultimaker 2+. Das sind quasi zwei Extreme.

Zunächst der gewölbte Boden. Das TX-Pi-Gehäuse aus dem Ultimaker links liegt flach auf, das aus dem ft-Drucker ist leicht gewölbt.

3d_boden.jpg


An den Seiten sind beim ft-Drucker oben die Schichten gut zu erkennen, der Ultimaker unten hat die doppelte Auflösung. Die ft-Federn oben sehen bei ft-Drucker "glatter aus", sind aber deutlich abgerundeter, weil gröber. Der Ultimaker setzt hier mehr Plastikstreifen mit feinerer Auflösung zusammen, was aber am Ende zu einer leicht ungleichmäßigeren Oberfläche führt.

3d_seiten.jpg


Und schließlich die Unterseite. Links spiegelt sich der Stift in der Oberfläche des Ultimaker-Produkts. Rechts ist die Oberfläche matt. Hier sieht man auch besser, wie die ft-Feder beim ft-Drucker zwar "glatter" aber auch geringer aufgelöst ist. Und man sieht auch, wie der Schraubenkopf beim Ultimaker-Teil perfekt eingesenkt ist und beim ft-Drucker etwas raussteht.

3d_spiegelung.jpg


Wenn man den ft-Drucker mal in die Kategorie der 150-Euro-Drucker einsortiert, dann liegt preislich zwischen den Druckern ein Faktor 10. Von der Qualität liegt der Anycubic I3 Mega irgendwo in der Mitte ...
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon Resteverwerter » 25 Mär 2018, 13:46

@MasterOfGizmo
@The Rob

Vielen Dank für Eure Berichte. Ich liebäugel schon seit geraumer Zeit mit dem 3D-Druck, war aber eher verwirrt ob der zahlreichen Möglichkeiten.

Vom Anycubic I3 MEGA hatte ich schon gehört. Das scheint wirklich ein guter Kompromiss zu sein!
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon Techniker » 25 Mär 2018, 14:06

Danke für eure Antworten.

Ich habe mir bei Aliexpress einen Anycubic I3 Mega für 270 € im Angebot gekauft.
Leider hat einer der Endschalter nicht funktioniert. Nach kurzer Inspektion hab ich aber herausgefunden, dass einfach nur das Kabel im Drucker nicht angeschlossen war.
Nachdem ich das repariert habe funktioniert das Drucken nun einwandfrei.
@Resteverwerter: Ja, der Drucker hat ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis und die Druckqualität ist bei mir, zumindest bis jetzt, völlig ausreichend.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon juh » 09 Apr 2018, 23:13

tl;dr: Für manchen ft-ler sind Billigstdrucker durchaus eine sinnvolle Option, v.a. wenn man sich schwer tut, beim Reinschnuppern 300€ aufwärts zu investieren. Wichtig ist aber, dass man die eigenen Präferenzen und Toleranzen berücksichtigt. Außerdem einige Erfahrungen, die ich allgemeine beim Einstieg gemacht habe.

Liebe 3D-Druck-Interessierte,

ich möchte hier keine große Debatte lostreten und stimme dem meisten des bisher Gesagten zu. Aber einige Aussagen

PHabermehl hat geschrieben:Die "ganz billigen" China-Bausätze wollte ich mir nicht antun, da ich nicht erst stunden- oder tagelang basteln und optimieren wollte, um brauchbare Ergebnisse zu bekommen.

MasterOfGizmo hat geschrieben:Der Zusammenbau ist in der Regel recht aufwändig.

MasterOfGizmo hat geschrieben:Man kann die billigen Drucker sorgfältig aufbauen und zu schwache Komponenten ersetzen und bekommt so ein halbwegs zuverlässiges Gerät. Dann ist man aber in der Preisklasse >€300, in der man das auch schon fertigt bekommt.

MasterOfGizmo hat geschrieben:Wer erst anfängt und halbwegs zügig zu Druckergebnissen kommen will wrd gute 300-400 Euro ausgeben müssen.

ergeben m.E. ein etwas einseitiges Bild zu den Billigstdruckern, denn es gibt durchaus andere Erfahrungen. Grundsätzlich gilt zwar das mit dem "selbst Hand anlegen" (MasterOfGizmo), aber das wird nach meinen Erfahrungen meist grob übertrieben oder beruht auf Hörensagen und abgesehen davon: sollte nicht genau das Selbstmachen vielen ft-lern Spaß machen?

Ich habe mir zu Weihnachten einen Anet A8 für damals 145€ besorgt und bin für meine Zwecke nach wie vor extrem happy damit. Der Aufbau war mit Hilfe der youtube Videos und technischem Allgemeinverständnis kein Problem und hat mir viel Spaß gemacht. Ist zwar nicht im 15mm-Raster, aber hey, welchem ft-Fan macht der Zusammenbau technischer Gegenstände keinen Spaß? Nebenbei wurde meine Neugier an der Funktionsweise der Technologie gestillt, das Gerät ist dadurch keine Black Box für mich, der Selbstaufbau also eher ein Vorteil. Erste Drucke ohne jede Optimierung waren aus meiner Sicht als Anfänger weit besser als das, womit ich gerechnet hatte, das waren echte wow-Erlebnisse und die Drucke sehen auch heute für mich noch top aus, die einzigen (ästhetischen) Probleme waren Ringing bei spitzen Winkeln in der XY-Ebene und Stringing bei manchen Filamenten, s.u. Meinen make von thomasdrs Kugelbahntransportschraube z.B. habe ich noch ohne jede Modifikation gedruckt. Rein optisch sehe ich keine Riesenunterschiede zwischen meinen Drucken und denen des Ultimakers oben, wobei das z.B. für große, v.a. hohe, Objekte oder z.B. ABS anders aussehen mag.

Bei den ganzen Optimierungen und Modifikationen für den A8 und andere Billigdrucker, die es z.B. bei thingiverse gibt und die man angeblich braucht, sollte man sich nicht täuschen lassen: die meisten sind sehr populär, aber echte vorher-nachher Vergleiche gibt es selten, d.h. deren Wirksamkeit bezüglich der Druckqualität ist oft rein subjektiv und da ist m.E. viel Wunschdenken dabei. Ja, ich selbst habe auch einige von diesen Optimierungen gedruckt und installiert, aber wenn ich ehrlich bin habe ich bisher die einzig wirklich sichtbaren Verbesserungen

  • softwareseitig (Acceleration-settings bzw. Reduktion der print speed gegen Ringing; Extruder Temperatur, retraction settings und v.a. coasting gegen Stringing; korrekte Einstellung des realen Filamentdurchmesssers gegen Under-/Overextrusion und Elefantenfüße) und
  • durch Nachjustierungen des Aufbaus (Zentrierung der Z-axis coupler; belt tension, für die Modifikationen wie z.B. meine zwar nützlich, aber nicht wirklich notwendig sind)
erreicht. Auch teurere Drucker sind von Problemen dieser Art nicht immer frei, eine Lernkurve gehört wohl immer mit dazu bis zum optimalen Ergebnis. Ich glaube übrigens, dass viele der "Upgrades" v.a.aus anderen Gründen so beliebt sind, sie geben einem als Anfänger etwas (scheinbar) Sinnvolles zum Drucken und erzeugen ein Gefühl von "Ownership" für den eigenen Drucker, sind also eher Fuchsschwanzanhänger und Duftbäumchen als echtes Tuning. Manche der beliebtesten und am häufigsten empfohlenen "Upgrades" sind m.E. sogar mechanisch sinnlos oder Verschlimmbesserungen, da sie das unterstellte Problem gar nicht an der Ursache bekämpfen, z.B. viele der Gestellversteifungen oder z-axis anti-wobbles . Das Dumme ist, dass viele sich alleine von den likes und collects auf thingiverse oder entsprechenden Youtube-Videos leiten lassen, ohne Sinn und Notwendigkeit zu hinterfragen. Likes und collects haben oft aber mehr mit dem Alter des Objekts zu tun, Remixes oder neuere Lösungen sind oft in Wahrheit überlegen.

Aber, das alles soll keine generelle Empfehlung werden. Es gibt Einschränkungen, bei denen man für sich prüfen sollte, ob man die akzeptabel findet. Wenn Ihr Euch ausschließlich im Geltungsbereich deutscher DIN-Normen wohl fühlt, im Zweifel immer die Sicherheit der Freiheit vorzieht oder im Betrieb Kleinkinder nicht vom Drucker fernhalten könnt, könnte so ein Billigdrucker nicht das Richtige für Euch sein ;) .

  • Sicherheitstechnisch auch für ambiguitätstolerante Menschen beim A8 ein Muss sind m.E. ein Mosfet für das Heizbett (als Modul ab ca. 3€ oder noch billiger selbstgemacht; ein zweites für den Extruder ist m.E. Overkill),
  • eine vernünftige Abdeckung für die kaum gesicherten Kontakte des Netzteils (z.B. meine eigene Lösung) und
  • Prävention gegen Kabelbruch z.B. durch cable chains für die Y-Achse, eher optisch bedingt auch für die X-Achse.
  • Falls man die alte Firmware bekommt (scheint je nach Zulieferer unterschiedlich zu sein) sollte man die updaten, um bei Problemen mit den Heizelementen und/oder entsprechenden Sensoren Überhitzung zu vermeiden (runaway protection).
  • Bequem, aber nicht wirklich notwendig ist ein Auto-Leveling Sensor ab ca 3€, wobei man im Falle des A8 nicht den von Anet nehmen sollte, die Montage hat Designfehler, auch hierfür braucht man die neuere Firmware.
  • Trotz dieser Mods würde ich den Drucker nicht länger unbeaufsichtigt z.B. über Nacht drucken lassen. Für mich passt das, da ich für meine Zwecke (im Wesentlichen selbstgemachte ft-Teile, hier mein erstes) keine besonders großen Objekte drucken muss.

Wirklich wichtige Zusatzkosten sind also <10€, da fallen die Kosten für das Filament deutlich höher aus, wenn man ein wenig Auswahl bei den Farben will, hat man den Preis des Druckers schnell überholt. Das (beim A8 vorhandene) Heizbett wäre übrigens für meine Zwecke verzichtbar, da ich nur mit PLA drucke und dabei ohne Nutzung des Heizbetts die gleichen Ergebnisse erziele. Mit ABS sähe die Sache vielleicht anders aus.

MasterOfGizmo hat geschrieben:Auch mit weniger Geld kann man unter Abstrichen Spass haben, aber da muss man dann schon selbst Hand anlegen und wird mehr Know-How aufbauen müssen.


Also abschließend durchaus Zustimmung zu diesem Statement, ich glaube aber, dass die Frickler unter den ft-lern (z.B. die, die einem original ft-Teil auch mal mit Cutter oder Bohrer zu Leibe rücken) gute Voraussetzungen mitbringen sollten, um das nicht als Nachteil zu sehen.

So, das Ganze ist etwas länger geworden, aber vielleicht hilfreich für manche, die eben nicht mehr als 150€ für ein Reinschnuppern in den 3D-Druck investieren wollen oder sogar mit dem A8 liebäugeln. Übrigens bin ich ein sehr später A8-Nutzer, das Modell ist eigentlich veraltet. Ich glaube aber, dass das im Fall der Billigdrucker eher ein Vorteil ist, da inzwischen viel Know-How über den Drucker vorhanden ist und das Produkt selbst auch verbessert wurde, z.B. die Heizbettanschlüsse auf dem Mainboard. Falls ihr mit einem Billigstdrucker liebäugelt, würde ich also dazu raten, einen zu nehmen, der schon eine Weile auf dem Markt und gut verbreitet ist. Ich glaube der oben erwähnte Creality Ender-2 könnte in dieser Beziehung den A8 einholen, und ist bis auf die Größe des Druckbetts von den Features her ein gutes Stück besser.

Und grundsätzlich zum Thema 3D-Drucker noch ein subjektiver Kommentar: Aus meiner Sicht macht eine Anschaffung nur Sinn, wenn man selbst Teile designen kann oder sich die entsprechenden Kenntnisse draufschaffen will. Zwar gibt es jede Menge frei verfügbarer Teile, aber man bleibt auf das beschränkt, was andere gemacht haben. Und wenn man ehrlich ist, gibt es nur wenige sinnvolle generische Anwendungszwecke für einen eigenen 3D-Drucker, viele der populärsten Designs sind zwar nett gemacht, letztlich aber Gimmicks (3D-Puzzles etc.), geschmackloser Tinnef (3D-Schädel etc.) oder haben weit billigere und robustere analoge Äquivalente (Schraubzwingen etc.). Wirklich und langfristig nützlich ist so ein Ding also nur, wenn man eigene Ideen damit umsetzt und erst eigene Anpassungen oder Neuschöpfungen machen für mich den echten Spaß aus. Wobei der Einstieg auch hier machbar ist. Tools wie Tinkercad oder Sketchup haben sehr flache Lernkurven, ich als OSS-Fan habe mir seit Weihnachten FreeCAD angeeignet, das ist für Fachfremde deutlich steiler, aber für meine Zwecke inzwischen ein klasse Werkzeug.

lg
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon Zungara » 10 Apr 2018, 09:15

Viele Dinge beim 3D-Druck sind nicht selbst erklärend. Ein wenig Material-Kunde und auch ein wenig handwerkliches Geschick sind leider meist immer noch Voraussetzung. Alle Geräte brauchen auch eine gewisse Wartung. Da sollte man wissen was man macht.

Ich besitze 2 Drucker, welche ich ausschließlich als Hobby nutze.

Zum einen meinen betagten Ultimaker (Original) als FDM: Der liefert immer noch spitzen Ergebnisse. Als ich mir diesen Drucker zugelegt habe (2012) hatte Ultimaker nur einen Bausatz im Angebot. Ich habe es nie bereut diesen Drucker so früh zu kaufen. Super Support und spitzen Community. Es gab diverse Updates. (Heizplatte, 2 Hot-End) die meiner Drucker immer noch mit den aktuellen Modellen mithalten läßt. Da er aus Holz ist und somit gut optimiert werden kann hat er leider den Nachteil das er recht laut ist. Diesen Drucker kann man getrost 60 Stunden alleine drucken lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass es Probleme gibt, welche durch den Drucker verursacht werden. Lange Druckzeiten bei Spitzenqualität sind leider keine Seltenheit.
Als Software setze ich meist Simplify3D oder alternativ Cura ein. Beide Software haben ihre Stärken und Schwächen. Die Unterschiede der eingesetzten Software können schon recht beachtlich bei ein und dem selben Drucker sein.

Mein zweiter Drucker ist ein SLS von der Firma Sintratec aus der Schweiz: Für den Hobbygebrauch ist dieses Druckverfahren eher Grenzwertig. Man arbeitet mit PE12 welches eine Partikelgröße kleiner 0,105 mm hat. Die Handhabung ist ein wenig "Staubig". Mittels Laser wird die Partikel angeschmolzen und verbinden sich. Vorteil ist hier eine sehr hohe Genauigkeit und eine Homogene Oberflächenstruktur. Selbst kleinste Details können noch gedruckt werden. Aber nicht so Detailliert wie beim DLP Verfahren. Dafür kann "formfrei" gedruckt werden. Ein voll funktionierendes Planetengetriebe ist kein Problem. Hohlkörper können nicht gedruckt werden.

Für den Einstieg würde ich einen Ultimaker empfehlen. Wenn es nicht so teuer werden soll würde ich auf den Original zurück greifen. Der Aufbau ist wenn man Ikea-Schränke aufbauen kann kein Problem.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon The Rob » 23 Jul 2018, 17:38

alex15 hat geschrieben:Die Frage ist ja was man vom Drucker erwartet.
LG,
Alex
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon Murena » 12 Nov 2018, 00:30

Ich verwende derzeit Creality3D Ender - 3 pro. Kann ich empfehlen.
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Re: Eure 3D-Drucker

Beitragvon juh » 12 Nov 2018, 00:38

Murena hat geschrieben:Ich verwende derzeit Creality3D Ender - 3 pro. Kann ich empfehlen.

Ja, der wäre bei mir momentan auch ein Kandidat bei einer Neuanschaffung. Welche Druckgeschwindigkeit (mm/s) erreichst Du bei noch brauchbarer Qualität?
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